Historisches Gotland

Brochure: The churches in the Diocese of Visby (PDF)

Die Kircheninsel
Wo auf Gotland Sie auch sind, eine Kirche ist immer in der Nähe. In Visby steht in fast jedem Wohnviertel eine Kirchenruine aus dem Mittelalter. Auf dem Lande stehen über 90 Kirchen. Die Kirchen haben im gotländischen Gemeinwesen eine wichtige Rolle gespielt, was sie auch heute noch tun.

Vom Opferfest Blot zur Taufe
Nach der Gutasage kam das Christentum durch den norwegischen Heiligenkönig Olov nach Gotland. Er war auf der Flucht und ankerte in Akergarn (Akergarn = S:t Olofsholm in Hellvi). Ein Mann namens Ormika erhielt die neue Lehre von Olov und errichte dort ein Gebetshaus. Zu jener Zeit waren die Gutar ein bereistes Volk. Kaufleute von Gotland haben die christlichen Gebräuche auf ihren Reisen gesehen. Als Olov nach Gotland kam gab es sicher bereits einige Anhänger dieses neuen Glaubens. Im Kampf mit den alten Göttern gewann schließlich der christliche Gott die Herzen der Menschen im 11. Jahrhundert.
Großartige Glanzzeit
Die ersten Kirchen, die gebaut wurden, waren vermutlich Hofkirchen, die vermögende Familien errichten ließen. Es waren ziemlich schlichte Holzgebäude, die man an alten Kultplätzen errichtete. Im 12. Jahrhundert, als das Christentum schon eine festere Organisation erhalten hatte und mit dem Linköpingsstift verbunden wurde, begann man mit dem Bau größerer Kirchen aus Stein. Die Kirchenbauperiode deckte sich mit Gotlands Glanzzeit.
Himmlische Höhen
Voller Pracht und schillernd gab sich die Kirche von innen, Triumphkruzifix, Seitenaltar, Hochaltar, Wandmalereien, Glasmalereien und Skulpturen. Mit den Kirchen entstand auch eine neue örtliche Einheit, nämlich die Gemeinde. Das heißt alle, die dieselbe Kirche aufsuchten.
Alltagsglaube
Auch der Alltag wurde mit Andacht gefüllt. Auf zahlreichen Höfen wurden Hofkreuze errichtet und bei besonderen Gelegenheiten wanderte man um Kirche und Ländereien in feierlichen Zügen mit einem Prozessionskreuz an der Spitze.

Der in Linköping residierende Bischof kam bestenfalls alle drei Jahre einmal nach Gotland, um Kirchen einzuweihen, zu konfirmieren, visitieren und Priester zu weihen.
Bettelmönche und stattliche Klöster
Zum mittelalterlichen Leben gehörten auch die Klöster. Die Zisterziensermönche errichteten eine mächtige Klosteranlage in der Gemeinde Roma (Roma socken), das den Namen Gutnalia erhielt. In Visby gab es ein Zisterzienserkloster für Nonnen namens Mons solis bzw. Solberga. In der Stadt gab es in St. Katarina auch Franziskaner und in St. Nikolai Dominikaner.
Pulsierendes Kirchenleben
Auf den Straßen von Visby drängten sich ausländische Kaufleute mit Schiffern und Seeleuten, Mönchen und Nonnen mit Rittern und Ratsherren, Priester und Bauern mit Handwerksleuten und Bettlern.

Die Kirchen lagen dicht beieinander in der Stadt. Außerhalb der Stadtmauer lagen St. Görans Hospital und Kirche. Innerhalb vom Wall lag die Heiligengeistkirche (Helge Andskyrkan). Die Klosterkirchen St. Nikolai und St. Katarina blickten erhoben sich stolz über die Dächer der Häuser. St. Drotten, St. Olov, St. Per, St .Hans, St. Klemens und St. Lars waren Gemeindekirchen.

Darüber hinaus gab es mehrere Faktoreikirchen, die ausländischen Kaufmannsverbänden gehörten. Eine von diesen ist St. Maria, die Kirche der Visbydeutschen, die allmählich zur Gemeindekirche und später Domkirche wurde.
Auf tausendjährigem Grund
Mit unverkennbar mittelalterlicher Aura erheben die gotländischen Heiligtümer ihre Türme gen Himmel, Jedes Jahrhundert hat in Malerei, Altaraufsätze, Kanzeln, Bankpartien und Orgeln eigene Spuren hinterlassen.

Obwohl der Gottesdienst im Laufe der Jahrhunderte viele Veränderungen durchgemacht hat, ist er dem mittelalterlichen, den man seit knapp tausend Jahren feierte, merkwürdig ähnlich geblieben.
Die Kirchen heute
In jeder Kirche auf Gotland wird nach wie vor Gottesdienst gefeiert. Die Kombination aus Geschichte und Gegenwart lässt kaum jemanden unberührt. Die Spannung zwischen Kunst und Architektur zwischen verschiedenen Epochen liegt in der Luft. In eine der gotländischen Kirchen zu gehen ist, als betrete man einen lebendigen Gottesdienstraum, das Zentrum der Gemeinde.
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